Ein Austausch zwischen SB und der Piraten-Partei

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oeff oeff
Fleißmeise
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Ein Austausch zwischen SB und der Piraten-Partei

#1 Beitragvon oeff oeff » Mo 10. Mär 2014, 05:28

"oeff oeff" schrieb am 23.7.2010:

Im Folgenden ein anonymisierter und etwas märchenhaft veränderter Austausch zwischen mir und jemandem von der "Piraten-Partei":




Öff Öff an Z: Kontakt zw Piratenpartei u mir... Einladung zur Versammlung am x.9. ...


Öff Öff Jürgen Wagner schrieb:

Lieber Z!

Mit Freude hatte ich zwischendurch schon festgestellt, daß allerhand "Piraten" sich im Internet als meine Freunde anboten...
Nun habe ich auch eine Einladung zur Versammlung am x.9. in Frankfurt erhalten...

Ich bin auf jeden Fall interessiert, daß wir miteinander in Austausch kommen...
Was interessiert Euch an mir?

Ich kann angesichts vieler Termine noch nicht richtig einschätzen, ob ich am x.9. kommen könnte...
Aber schauen, wie wir nun Kontakt, Austausch und vielleicht Perspektiven miteinander finden können, das können wir gern anpacken, so oder so...

Freue mich auf Antwort...

Mit liebem Gruß,
Öff Öff
schenker_oeff@yahoo.de
017627110248
www.die-schenker.yooco.de
www.oeffi.de.cz

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Z antwortete:

Hallo Jürgen,

vielen Dank für die Nachricht. Wir haben die Einladung einfach an alle Bekannten und Freunde der Piratenpartei Nordrhein-Hessen weitergeleitet.

Nachdem ich mich jetzt stärker mit der Idee der Schenkerbewegung auseinandergesetzt habe, vermute ich, das die angesprochene Mitgliederversammlung nicht ganz den zwischenmenschlichen Ansprüchen eurer Bewegung gerecht werden wird.

Eine autarke, einfachste Lebensweise ist in einer hochtechnisierten Mediengesellschaft ein recht provokanter Ansatz. Wir Piraten versuchen uns eigentlich am Gegenteil. ;) Insofern treffen sich die Ziele eher im Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung, als in den angewandten Mitteln.

Persönlich schätze ich alternative Ideen, weiß aber im konkreten Fall nicht, wo man sich ergänzen könnte.

Mit besten Grüssen
Z

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Öff Öff Jürgen Wagner antwortete:

Lieber Z!

Die erste Frage ist für uns gar nicht die Frage, mit wieviel Technik oder einfacher Natur bzw. Autarkie...
Das Wichtigste ist aus unserer Sicht die Bedeutung einer anderen Grund-Struktur fürs Entscheiden (gewalt- und herrschafts-freie Konsens-Entscheidungen, soweit möglich) und Verteilen (freiwillig "liebes-kommunistisch" sozusagen)...
Genug Vernunft und Liebe unter die Menschen zu bekommen, so daß sie in global verantwortlichem Vernunft-Konsens zum Wohle des Ganzen entscheiden können... "Globale Konsens-Geschwister"...
Und bzgl. aller anderen Fragen (auch wieviel einfaches Natur-Leben vielleicht sinnvoll sein kann, um direkt mit dem gewaltfreien Teilen bzw. liebevollen Schenken gegenüber anderen Menschen anfangen zu können, ohne Abhängigkeit von Herrschern oder Bossen... - oder auch um zu verantwortlicher Natur-Integration zurückzufinden...) denken wir, daß man da nicht in vielleicht vermeidbar ideologischer Weise Ergebnisse vor-festlegen sollte, sondern das möglichst offen in solche Konsens-Suche derartiger "globaler Konsens-Geschwister" (bzw. der Menschen, die sowas sein wollen...) legen sollte...

Ich ziehe die Konsequenz auch meines einfachen Natur-(Sammler-)Lebens (neben der Verwendung von "Überfluß-Resten" und Geschenken...) einfach als ein offensichtlich hilfreiches Mittel der Unabhängigkeit von Gewalt- und Vergeltungs-Strukturen, so daß ich mit reinem "Austausch von Geschenken" (freiwilliges Geben ohne Bedingung einer Gegenleistung) auskommen kann...

Vielleicht hast Du da den Aspekt des autarken einfachen Lebens etwas "über-eingeschätzt" an unserem "Programm"?
Ich bin ja auch ausdrücklich für ein möglichstes "Mit-Hinübernehmen" der modernen Kommunikations-Mittel in eine Zukunfts-Welt... (Sitze am Notebook...) Will halt nur offen denken bzgl. aller einbeziehbaren Aspekte auf dem Weg zu einer Welt friedlich verantwortlichen Teilens... Und die Fragen: Inwiefern Vereinfachung? oder: Inwiefern Rückkehr in (Wild-)Natur-Kreisläufe? sollte man vielleicht doch nicht einfach - im Sinne einer diskussions-entzogenen "Vorgabe" - ausschließen, oder?

Wenn Du magst, bin ich durchaus gespannt auf Deine Antwort...
Mit liebem Gruß,
Öff Öff
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Z antwortete:

Hallo Jürgen,

Ich gebe Recht, das man andere Grundstrukturen für Entscheidungen braucht und das man dazu nicht nur staatliche Möglichkeiten verändern muss, sondern auch Empathie innerhalb der Gesellschaft wieder stärkt. Euer Modell des Beschenkens halte ich prinzipiell für gut, - als Denkanstoß.

Ein Artikel im Spiegel [1]. Er beschreibt den Humanismus und die Fragestellung ob der Mensch diesem Ideal gerecht werden könnte. Der Artikel endet skeptisch und meint das man akzeptieren müsse, dass der Mensch nicht nur gutes in sich trägt. Insofern sind m.M. kleine Gemeinschaften alternativer Projekte Nischenmodelle einer Zielgruppe. Sie haben ihre Berechtigung und tragen vielleicht ihren Teil bei.

Was aber tun wir mit der großen Mehrheit der Gesellschaft, die sich weltweit in einem Konkurenzkampf befindet? Das jeden Tag Zehntausende an Hunger sterben, weiß die halbe Weltgemeinschaft und dennoch läßt sie es zu. Wenn im Winter Obdachlose im Schnee schlafen, schauen die meisten weg. Wenn das Nachbarkind nicht in der Schule ist, sagt kaum jemand etwas usw... Die Frage ist wieweit Individualisierung und Entkopplung von gesellschaftlicher Verantwortung für den Einzelnen noch gehen soll.

[1] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-69277681.html

Vermutlich sollte man Menschen stärker sozialisieren und Mittel der ausgeübten, staatlichen Gewalt auf Offenheit und Partizipation trimmen. Mir persönlich würde schon gefallen wenn Menschen über Bildungswege stärker an die Hand genommen werden, Erziehung genießen, Gemeinwesen praktizieren, kommunale Selbstbestimmung ausüben und sich wieder mit dem Nachbarn unterhalten. All das kann man über Politik vielleicht ein wenig mitbeinflussen. Aber auch andere Formen haben ihre Berechtigung. Kunst kann inspirieren. Toleranter Glaube kann Werte vermitteln.

Ich glaube, wir haben alle nicht die ultimative Lösung, versuchen aber unseren Teil beizutragen. ;)

Mit besten Grüssen
Z

DER SPIEGEL9/2010 - Humanismus ist ein Aberglaube
www.spiegel.de
Das deutsche Nachrichten-Magazin.

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Öff Öff Jürgen Wagner antwortete:

Ob das Wesen des Menschen nun ausreichend gut sei oder nicht, und was man darüber sich auch denken mag -- kann es uns davon freisprechen, alles Mögliche zu tun, damit es eine LIEBEvolle bzw. auch global verantwortliche Entwicklung geben kann?


Lieber Z !

Deine Antwort gefällt mir gut... - Vor allem auch die - uns beiden wohl gemeinsame - Vorstellung, daß wir aus verschiedenen Richtungen versuchen können, "Teile beizutragen", damit in den einzelnen Menschen immer mehr das Streben nach dem Gesamt-Wohl hochkommt, sie auch miteinander ins Gespräch kommen, gerade darüber, und dann auch zu so orientierten Entscheidungs-Strukturen kommen können... (Was ich ja "globales Konsens-Teilen" nenne...)
Es mag auch einigungs-fähig für uns sein, daß ein Aufkommen einer solchen alternativen "Verantwortungs-Entscheidungs-Struktur" (im Kopf des Einzelnen, in Nachbarschaft und Gesellschaft), und zwar ausreichend schnell auch angesichts der globalen Entwicklung, die Schlüssel-Funktion des Geschehens sein dürfte...?
Denn was helfen Korrekturen von Einzelheiten (ne "Einzel-Aktion für Nachbarschafts-Hilfe" hier, eine "politische Einfluß-Nahme für Schutz der Internet-Freiheit vor staatlicher Kontrolle" dort...), wenn falsche (kapitalistische) Entscheidungs-Strukturen ständig weiter neue Fluten solcher falschen Einzelheiten produzieren?
Aus so einer Quelle falschen Sprudelns muß doch schnellstmöglich eine Quelle richtigen Sprudelns werden, durch solche Umstellung der Grund-Entscheidungs-Strukturen, nicht wahr?
Und wenn das recht breit einigungs-fähig sein kann, auch daß man sich gemeinsam vielleicht angemessen auf diese Kern-Aufgabe konzentrieren sollte (Umstellung der wesentlichen Entscheidungs-Struktur und -Logik), zumindest als Rahmen-Orientierung für all die (im Vergleich zu den "ursächlichen" Entscheidungs-Strukturen doch eher "symptomatischen") Einzel-Aktivitäten -- dann hätten wir doch da auch vielleicht eine fruchtbare Brücke, nicht nur zwischen uns beiden, sondern auch zwischen Piratenpartei und Schenker-Bewegung... (Und hoffentlich auch ganz vielen anderen "Kräften"...)
Daß man gemeinsam versuchen kann, ein solches Grund-Bewußtsein bzgl. "Struktur-Revolution" immer mehr auszuprägen und in den Vordergrund zu stellen...
Und daß sich da ein Prozeß aufbauen könnte, der mit angemessener "Power" und Geschwindigkeit gesellschaftliche Kräfte-Bündelung versuchen will, vom direkten alternativen Lebens-Experiment ((- wir Schenker sind ja sowas wie der vorweggenommene (anarcho-)"kommunistische Endzustand"... -)) bis zur "inner-systemischen" Polit-Einfluß-Gruppe - und am besten auch stark die Wissenschaft mit dabei.. ((Ich sag schon immer, wenn der Staat was von mir will: Schickt mir besser Wissenschaftler statt Polizisten... ;-) ))

Jau, was meinst Du, kann's was Sinnvolles sein, da in Richtung solcher "Kräfte-Bündelung" was beitragen zu wollen?

Mit liebem Gruß,
Öffi

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