Toleranz-Fragen aus SB-Sicht

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oeff oeff
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Toleranz-Fragen aus SB-Sicht

#1 Beitragvon oeff oeff » So 9. Mär 2014, 18:54

"oeff oeff" postete am 20.9.2010:

Ich möchte hier mal ein Thema eröffnen, welches das für mich und Schenker-Bewegung (SB) sehr wichtige Thema der TOLERANZ behandeln soll...

Ich nehme mal als Ausgangs-Punkt die Diskussion, die es gerade gab (September 2010) über die geplante öffentliche Verbrennung eines Koran-Buches durch eine kleine christliche Gruppe in den USA, als Protest gegen die vom Islam ausgehende Gewalt (- siehe Terror wie die Anschläge vom 11.9. vor ein paar Jahren auf das World-Trade-Center... - aber da gibt es am Islam m.E. auch noch einige andere Gewalt-Aspekte... -)...

Es gab einen internationalen Aufschrei und auch seitens der US-Regierung wurde beklagt, daß dadurch amerikanische Bürger in anderen (islamischen) Ländern oder amerikanische Soldaten in Kriegen wie in Afghanistan oder Irak gefährdet sein könnten, durch Gegen-Gewalt-Aktionen von Moslems...

Eine kleine Gruppe einer anderen christlichen Vereinigung ließ sich von alledem nicht davon abhalten, vor dem Weißen Haus einige Seiten aus dem Koran zu zerreißen, verbunden mit der Forderung, daß jedenfalls gegen Lügen was gemacht werden müsse wie, daß der Islam eine friedliche Religion sei...

Ein Atheist in Australien veröffentlichte etwas später auf youtube einen Film, in welchem er aus einzelnen Seiten der Bibel und des Korans sich Zigaretten drehte, nach dem Motto: "Was brennt besser, Bibel oder Koran?" -- Er verlor deshalb dann wohl seinen Job...

Man kann noch im Gedächtnis haben, daß es vor ein paar Jahren eine gewaltige Empörungs-Welle von Moslems gab, weil in Dänemark (- wenn ich mich recht entsinne -) eine Zeitschrift "Mohammed-Karikaturen" veröffentlicht hatte, wo Mohammed eine Bombe trug usw...
Solche Empörung äußerte sich nach meinem Kenntnis-Stand auch in Mord-Anschlägen (!)...


Große Frage: Was ist da eine sinnvolle Vorstellung von Toleranz?
Man könnte sagen:
1. Man sollte solche Karikatur- oder Verbrennungs-Aktivitäten bzgl. von Religionen als "heilig" angesehenen Büchern oder Personen aus Toleranz bzw. aus Rücksicht auf die religiösen Gefühle, die man nicht verletzen will, unterlassen...
2. Man könnte aber auch sagen, daß wenn Morde oder Kriege im Namen solcher Schriften oder Menschen begangen werden, solche Protest-Aktionen aus Toleranz bzw. Solidarität mit den Opfern angemessene Gegen-Mittel sein können...
3. Und man könnte sagen: Wenn solche Bücher frei erhältlich sind, was ist mit der Toleranz für einen Atheisten, der so ein Buch vielleicht schlicht nur als Schund oder gar Kriegs-Hetzerei empfindet, und es durch Verbrennung für sich entsorgen will... Wie tolerant ist es, einem anderen (nicht-religiösen!) Menschen - sogar mit Gewalt - die eigenen "Heiligkeits-Vorstellungen" auferlegen zu wollen? Warum darf der nicht so ein Buch einfach verbrennen? (Wenn ich es richtig mitbekam, ist z.B. in Südafrika das Verbrennen solcher Religions-Schriften allgemein verboten...)

Als Schenker würde ich ersteinmal als ganz wichtig ansehen, daß auch bei noch so großen Meinungs-Verschiedenheiten jedenfalls man entweder den anderen mit seiner Verschiedenheit einfach "sein lassen" sollte, oder zumindest nicht mit gewaltsamen Mitteln gegen ihn vorgehen sollte -- auf jeden Fall nicht, bevor man erstmal ausführlichst gewaltfreie Mittel (- gemeinsames ORGANISCHES DENKEN, LICHT-LIEBES-ARBEIT, GEWALTFREIE KOMMUNIKATIONS-KULTUR etc. -) angeboten oder versucht hätte...

Gegen diese Vorstellung verstoßen vielleicht auch Menschen, die solche Kritik-Karikaturen oder Bücher-Verbrennungen durchführen... Aber m.E. noch viel mehr verstößt dagegen das aggressive Verhalten der Moslems bzw. des Islams, vor und nach diesen Kritik-Aktionen...

Und daß so etwas offen diskutiert werden kann, finde ich auch seeeehr wichtig...

Und ich sage all das, während ich in den von mir angestrebten "KONSENS-TEILEN-Gemeinschaften" (- bzw. "Gandhi-Ashrams", wo es auch so versucht wurde -) Vertreter am besten aller Religionen (einschließlich Moslems) und auch Atheisten als "GLOBALE KONSENS-GESCHWISTER" zusammenführen möchte, so weit es geht... -- Sofern alle Beteiligten ihre jeweilige Religion im Sinne einer solchen LIEBE bzw. eines solchen "GEWALTFREIEN TEILENS" oder "GLOBALEN KONSENS-TEILENS" interpretieren können... (Was ich zugegebenermaßen bei manchen Religionen nicht so einfach kann...)

((Übrigens beklage ich ja einerseits als Gewalttätigkeit des westlichen Kapitalismus und Imperialismus, daß man sich oft schnell mit Gewalt (wirtschaftlichem Druck, Kriegen etc.) durchsetzen will, ohne sich erstmal so stark wie möglich auf gründliche offene Wahrheits-Suche bzw. Diskussion mit seinen Gegnern einzulassen, z.B. auch auf eine System- und Werte-Diskussion mit "Islamisten", die z.T. ja nicht ganz zu unrecht als verhängnisvoll bezeichnen, daß der Westen keinen anderen Gott oder Werte mehr kenne als das Geld oder materiellen Profit bzw. "Fortschritt"...
Deshalb halte ich auch sowas wie den Friedens-Nobel-Preis für Obama für ziemlich verfehlt, weil z.B. im Afghanistan-Krieg nicht zumindest erstmal die gewaltfreien Mittel wirklich "ausgereizt" wurden, bevor auf Kriegs-Gewalt gesetzt wurde...
Aber ich kann auf der anderen Seite die islamischen Werte und Strukturen beileibe nicht als besser bzw. friedlicher erkennen...
Da muß deshalb m.E. auf allen Seiten noch viel Offenheit kommen und viel Weiter-Entwicklung passieren...))

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Re: Toleranz-Fragen aus SB-Sicht

#2 Beitragvon oeff oeff » So 9. Mär 2014, 18:55

"Lichtträger" schrieb am 4.12.2010:

““Zitat ?:

Muß ich die Dinge nach den Vorlieben der anderen machen, damit sie es als gültig anerkennen?
Das ist nicht mein Ehrgeiz...““


Natürlich muss man die Dinge nach den Vorlieben der Andern machen, zumindest nach den eigentlichen Wirklichen Vorlieben der Menschen. Die sind gleich gelagert.

Darin enthalten sind natürlich alle Irdischen sichtbaren Wege und Ausdrucksformen mannigfaltig vielfältig eigener Ausdruckskraft die den eigentlichen Menschlichen Vorlieben dienen.

Seine Individuelle äussere Form zu gehen und zu leben schließt das Andere, die Anderen mit ein.

Als gültig wird es dann angesehen, wenn die Verbindung erkant und gelebt ist, deren Vorlieben alles Individuelle beinhaltet.

Wie sonst, sollen andere es als Tolerant gültig erkennen?

Herzlicht :idea:

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Re: Toleranz-Fragen aus SB-Sicht

#3 Beitragvon oeff oeff » So 9. Mär 2014, 18:55

"Moni" schrieb am 4.12.2010:

Du vergisst dabei, dass Bücherverbrennungen eine Tradition haben - siehe z.B. Verbrennungen von Büchern jüdischer Autoren während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Verbrennung eines religiösen Buches steht nicht nur für eine Intoleranz gegenüber religiösen Befindlichkeiten, wie eine Allah-Karikatur, sondern für einen Hass gegenüber der Religion und ihrer Anhänger. Und die Tatsache, dass eine Gemeinde einer anderen (nämlich einer christlichen) religiösen Gruppe diese Verbrennung durchführen wollte (oder durchführte?) beschwört auch eine Auseinandersetzung nicht nur zwischen Pazifisten und religiösen Gewalttätern sondern auch eine Auseinandersetzung zwischen "wahren" und "unwahren" Religionen herauf (wobei die jeweils eigene Religion die "wahre" ist).

Ich weiß, du siehst es anders, aber auch die Bibel wurde in anderen Zeiten so ausgelegt, dass Gewalt und Terror als gottgefällig galten. Deshalb kann man religiöse Gewalt nicht als typisch islamisch darstellen. Alles eine Frage der Interpretation.

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Re: Toleranz-Fragen aus SB-Sicht

#4 Beitragvon oeff oeff » So 9. Mär 2014, 18:56

"oeff oeff" schrieb am 8.12.2010:

Natürlich ging auch viel Gewalt in den vergangenen 2 Jahrtausenden von den christlichen Kirchen aus...
Aber dann war das ein recht klar erkennbarer Widerspruch zu Botschaft und Gestalt des Religions-Gründers Jesus, der als pazifistischer bettelnder Wander-Prediger herum zog... Wie auch z.B. Buddha...
Das ist schon etwas anders bei Mohammed, der ein Händler und Feldherr war...

Auch können die Motive der Menschen m.E. eben sehr verschieden sein, wenn sie ein Buch (wie auch Bibel oder Koran) verbrennen:
Für den Einen kann es Ausdruck des Hasses gegen eine Religion sein, für einen Zweiten kann es eine "Gewaltfreie Aktion" sein, um auf Gewalttätigkeiten des Islam hinzuweisen, und für einen Dritten, einen desinteressierten Atheisten, kann es einfach Papier sein, was er als Zunder fürs Feuer-Anmachen verwenden will...

Ich bin für Gewalt-Verzicht auf allen Seiten: Dem Atheisten könnte man vielleicht zu rücksichtsvoller Vorsicht raten... Dem gewaltfreien Aktivisten vielleicht zu nicht-konfrontativeren Methoden... Aber auf jeden Fall könnte man auch die Moslems bitten, gewaltfrei zu sein bzw. zu reagieren, wenn jemand sowas machen sollte wie so eine Buch-Verbrennung... Statt dann vielleicht mit äußerster Brutalität wie Mord-Absichten zu reagieren...


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