OP-Artikel zur RU-Wiese "Projekt in der Kritik"

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oeff oeff
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OP-Artikel zur RU-Wiese "Projekt in der Kritik"

#1 Beitragvon oeff oeff » Mo 19. Dez 2016, 04:54

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aufgerufen am 26.1.2016 um 17:29 Uhr

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Lokales > Marburg

17.06.2015 22:12 Uhr


Aussteiger „Öff Öff“
Projekt in der Kritik
Belächelt, bewundert, gehasst. Die Person Jürgen Wagner alias „Öff Öff“ ist umstritten. Seit 2013 lebt der Aussteiger auf einer Wiese in Ockershausen. Aus Politik und Nachbarschaft wird nun Kritik laut.

[Bild]
"Die Wildnis nimmt hier keinen Schaden. Ihr geht es besser als in manch einem Garten“, sagt Öff Öff. Die Naturschutzbehörde und der Ortsbeirat Ockershausen sehen das anders.
© Thorsten Richter

Marburg. Auf einer Wiese oberhalb der Bebauung „An der Schülerhecke“ in einem kleinen Waldstück befindet sich ein alter Wohnwagen. Davor steht eine verwitterte Gartenbank, auf der es sich Jürgen Wagner bequem gemacht hat. Er trägt ein selbstgeschneidertes Gewand und ein Stirnband, auf dem in großen Buchstaben „Global Love“ steht, globale Liebe.

Unkraut, Fallobst und Insekten auf dem Speiseplan
„Fast alles, was sich hier befindet, ist essbar“, sagt Öff Öff, rupft ein paar Blüten vom dem neben ihm blühenden Giersch und steckt sie sich genüsslich in den Mund. Um sich einen Salat zu machen, brauche er keine fünf Meter zu gehen. „Das, was andere aus dem Garten rauswerfen, esse ich.“ Dazu gehören Unkraut und Fallobst ebenso wie Insekten. „Das ist für mich eine sicherstellende Nahrungsergänzung, damit keine Mangelerscheinungen auftreten.“ Seit Ende 2012 lebt Öff Öff „so bescheiden und unabhängig wie möglich“ auf der selbsternannten „Perma-Oase“ in Ockerhausen.

Zu Besuch bei Öff Öff
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Das etwa 3000 Quadratmeter große Grundstück wurde 2013 von der Agroforst Energie eG Transparek gekauft, eine Genossenschaft, die Ackerflächen und Waldgrundstücke erwirbt, um sie zu verpachten oder in Kooperation zu bewirtschaften. Pächter des Grundstücks ist die Interessengemeinschaft „Perma-Oase Ockershausen“. Die Gruppe lokaler Aktivisten, die sich selbst als Verein bezeichnet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Grundstück für Marburger Projektarbeit im Rahmen des integrierten Klimaschutz-Konzeptes der Stadt Marburg zu nutzen, wie Sprecher Udo Wierlemann im OP-Gespräch erklärt.

Nutzung im Sinne der „Permakultur“ angestrebt
Sie wollen auf dem Grundstück in Ockershausen im Sinne einer „Permakultur“ Gemüse anbauen. Dahinter steckt eine Philosophie, die mit und nicht gegen die Natur arbeitet und die Schaffung dauerhafter (permanenter), nachhaltiger und naturnaher Naturkreisläufe im Sinne hat. „Eine Modell- und Bildungslandschaft für modernes ökologisches Verhalten“, schwärmt Öff Öff und verrät, dass Kooperationen mit der Universität und Schulen angedacht werden.
Doch es gibt Bedenken an der richtigen Nutzung des Grundstückes, die auch kürzlich in der Stadtverordnetenversammlung besprochen wurden. Matthias Simon von der SPD-Fraktion und Ockershäuser Ortsvorsteher äußerte Bedenken, dass das Grundstück „verstärkt entgegen naturschutzfachlicher, naturschutzrechtlicher und vermutlich auch ordnungsrechtlicher Auffassung genutzt“ werde.
Im OP-Gespräch erläutert er, dass das Grundstück nicht als Ackerland genutzt werden könne: „Die Fläche ist relativ eingewachsen und schattig und wird schon längst nicht mehr landwirtschaftlich genutzt.“ Er bezweifelt, dass sich darauf etwas pflanzen lässt.

Lässt sich das Grundstück überhaupt bepflanzen?
Das sieht Wierlemann anders: Er behauptet, dass es Ackerland sei, und ist davon überzeugt, dass man darauf sehr wohl längerfristig Landwirtschaft betreiben könne. Er bedaure, dass die Initiative nicht angenommen werde. Das, was sie eigentlich machen wolle, komme nicht zum Tragen, weil sie nicht richtig wahrgenommen werde.
Dies, so Simon, ist mitunter der fehlenden Seriosität des vermeintlichen Vereins geschuldet, der sich als solcher noch nicht zu erkennen gegeben habe. Zwar gibt es eine Homepage, jedoch ist der Verein nach OP-Recherchen nicht im Vereinsregister verzeichnet.
„Es kann nicht jeder einfach so überall seine Zelte aufbauen, sonst hätten wir überall illegale Campingplatze“, so Simon. Zudem seien Nachbarn, deren Kinder sich in der Ockershäuser Landschaft aufhalten, darüber beunruhigt, dass dort ein fremder Mann in freier Natur hause.

Kahle: Pädagogischer Ansatz ist förderungswürdig
Auch bei der Stadt seien Nachfragen aus der Bevölkerung eingegangen, bestätigt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) gegenüber dieser Zeitung. Infolgedessen habe bereits eine Ortsbesichtigung durch Vertreter der Bauaufsicht und der Naturschutzabteilung stattgefunden und er habe zu einer Anhörung geladen. Ob das, was auf dem Grundstück passiert, tatsächlich mit den Naturschutzzielen vereinbar ist, soll bei einem Treffen auf dem Grundstück geklärt werden, das Ende Juli stattfinden soll.
„Ich kenne Wierlemann als ernsthaften Verfolger naturschutzrechtlicher Absichten“, so Kahle. Prinzipiell stehe die Stadt Selbstversorgungsinitiativen wohlwollend gegenüber. Auch den pädagogischen Anlass halte er für „förderungswürdig“. Er habe jedoch seine Zweifel, was den pädagogischen Zweck angeht. „Eine grundsätzliche Frage, die sich mir stellt, ist, ob sich das Grundstück für Schulbesuche eignet.“
Es gäbe keine Sanitäranlagen; und um das Grundstück zu erreichen, müsse man über andere Grundstücke gehen. „Da sind Probleme mit der Nachbarschaft vorprogrammiert“, gibt Kahle zu bedenken.

Stadt will alternatives Grundstück anbieten
Die Stadt wäre daher bereit, für eine geringe Pacht ein alternatives Grundstück zur Verfügung zu stellen, das etwa 500 Meter vom jetzigen entfernt liegt und zu dem man über einen separaten Weg gelangen kann.
Ob sich die Mitglieder der „Perma-Oase Ockershausen“ und Öff Öff darauf einlassen werden, bleibt offen. Für Öff Öff ist klar: „Die Wildnis nimmt hier keinen Schaden. Ihr geht es besser als in manch einem Garten.“

von Ruth Korte


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